Nina

Im Sommer 2015 erzählte meine Mutter mir von einem Spendenaufruf von Kleidung und Fahrrädern für Flüchtlinge. Hauptsächlich wurden Männerkleidung und Fahrräder gesucht. Also sortierten mein Vater und mein Bruder am nächsten Tag Kleidungsstücke zum Spenden aus. Meine Mutter und ich suchten währenddessen das alte Fahrrad meiner Mutter, mit dem sie schon lange nicht mehr gefahren war. Als wir es schließlich fanden, luden wir es gleich in unser Auto und fuhren nach Kassel in ein ehemaliges Kinderkrankenhaus, in dem mittlerweile Flüchtlinge lebten. Dort wurde bereits eine Fahrradwerkstatt eröffnet, weshalb die Flüchtlinge dort auch kleinere Reparaturen an den gespendeten Fahrrädern vornehmen konnten.

Ein kleiner Junge kam uns gleich entgegen als er das Fahrrad sah und fragte, was denn an dem Fahrrad kaputt sei. Er konnte zwar noch nicht wirklich gut deutsch sprechen, aber wir konnten ihn trotzdem verstehen. Wir antworteten ihm, dass die Gangschaltung kaputt ist. Der Junge und ein anderer Flüchtling nahmen uns das Fahrrad entgegen. Die Reparatur sei kein Problem durch die Fahrradwerkstatt.

Zwei Tage darauf fuhren wir zu der Kleidersammelstelle des Roten Kreuzes. Dort war einiges los: Die Garage der Rettungsfahrzeuge war umfunktioniert worden zur Sammelstelle für Kleidung. Es türmten sich bereits die Tüten vollgepackt mit Kleidung bis zur Decke. Man sah dort sehr viele ehrenamtliche Helfer im Einsatz. Sie hatten jede Menge zu tun und deshalb war die Helferin die unserer Spenden entgegen nahm auch sehr froh, dass wir die Kleidung bereits nach Größe sortiert hatten. Sie bedankte sich für die Kleidung und die  separat verpackten Gürtel, obwohl ihr eigentlich der Dank gilt und zwar für ihre ehrenamtliche Arbeit.

Mit diesem für mich sehr prägendem Eindruck von Not aus dem Flüchtlingsheim in dem alten Kinderkrankenhaus und der Hilfsbereitschaft hier im Roten Kreuz fuhren wir wieder nach Hause. Auf dem Heimweg kamen wir an zwei Flüchtlingsheimen vorbei. Die Flüchtlinge liefen in alten Sandalen und dünner Kleidung an den Gehwegen entlang, obwohl es mittlerweile schon recht kühl geworden war. Ich dachte mir, dass ein Fahrrad bestimmt eine große Erleichterung für sie wäre, da sie sämtliche Wege zu Fuß erledigen mussten. Deshalb war ich sehr froh darüber, dass wir unser altes Fahrrad gespendet hatten.

Ein paar Wochen später erzählte meine Mutter mir, dass sie auf dem Rückweg von der Arbeit  einen jungen Mann auf dem Gelände eines Kasseler Fussballvereins mit UNSEREM alten Fahrrad fahren gesehen hat. Der Verein bot dort ein extra Fußballtraining für Flüchtlinge an. Wir freuten uns alle sehr darüber, dass wir gespendet hatten und die Flüchtlinge glücklich gemacht haben.

Nina Scheiter